Aus unserer Forschungsarbeit

Nutzen einer Burnout-Prophylaxe ist messbar für Mitarbeiter und Betriebe

Jeder vierte berufstätige Österreicher ist stressgeplagt und daher akut burnout-gefährdet. Wenn man die Ursachen für Krankenstandstage in den vergangenen 20 Jahren genauer vergleicht, dann ergibt sich für die Gruppe „Psychische und Verhaltensstörungen“ eine Stei-gerung um knapp mehr als 340 Prozent. Anders gesagt sind heute rund 1,3 Millionen Öster-reicher in ihrem Berufsalltag vermehrt psychischen Belastungsfaktoren ausgesetzt.

Eine aktuelle IWS-Studie belegt, dass man mit Burnout-Prophylaxe hohe Folgekosten vermeiden kann, im Bild (v. l.): Andrea Viertelmayr und Univ.-Doz. Werner Schöny von pro mente OÖ, IWS-GF Gottfried Kneifel sowie die beiden Studienautoren von der JKU Linz Univ.-Prof. Friedrich Schneider und Elisabeth Dreer.
© IWS/Engelsberger

Deshalb sollte man Burnout nicht nur medizinisch, menschlich, gesundheitspolitisch und pathologisch betrachten, sondern auch gesamtgesellschaftlich! Burnout dürfen wir nicht nur den Therapeuten, den Kliniken, den Gesundheitspolitikern und den Psychiatern überlassen. Es geht um die Bekämpfung einer modernen Seuche, die unsere besondere Aufmerksamkeit erfordert.

Burnout ist auch ein enormer Kostenfaktor für die heimischen Betriebe und somit ein Problem für den Wirtschaftsstandort und in der Folge für die gesamte Gesellschaft. Wenn man Burnout rechtzeitig erkennt und behandelt, dann können krankheitsbedingte Auswirkungen und auch die nicht unerheblichen Folgekosten merkbar reduziert werden.

"Deshalb wollen wir bei der Vorbeugung ansetzen und noch mehr Betriebe motivieren, bei der Vertiefung dieser Studie der Initiative Wirtschaftsstandort OÖ (IWS) mitzumachen", fordert IWS-GF Prof. Gottfried Kneifel Unternehmen auf, sich zu melden. "Im Sinne des altbekannten Slogans: Vorbeugen ist besser als heilen!“ Das IWS hat in die bisherigen Studien mehr als 50.000 Euro investiert. Ziel der Studie ist es, methodisch einwandfrei zu beweisen, dass bei einer Früherkennung von Burnout nicht nur Therapiekosten gespart, sondern auch beachtliche betriebswirtschaftliche Potenziale gehoben werden können.

Untersucht wurde die Wirkung von Techniken der kognitiven Umstrukturierung auf das berufliche (und private) Verhaltens- und Erlebensmuster (Mentaltraining). Die Maßnahmen wurden bereits in zwei großen Konzernen in Linz durchgeführt:

·      21 Personen in Versuchsgruppe („Trainingsgruppe“)

·      22 Personen in Testgruppe 

Immer mehr Menschen leiden an psychischen Erkrankungen, in Österreich erkrankt jede/r Dritte mindestens einmal im Leben psychisch. Europaweit sind es sogar 38 Prozent der Bevölkerung. "Mehr als zwei Millionen Krankenstandstage werden in Österreich aufgrund psychischer Erkrankungen verzeichnet, relativ oft folgen danach Langzeitkrankenstände, die im schlimmsten Fall auch mit Frühpensionierungen enden können", erklärt Univ.-Doz. Prof. Dr. Werner Scöny von pro mente OÖ. "Mittlerweile sind psychische Erkrankungen auch der Hauptgrund für ein Fernbleiben am Arbeitsplatz."

Chronischer Stress und Erschöpfungszustände sind Phänomene einer modernen Dienstleistungsgesellschaft, welche die Lebensqualität von Menschen belasten. Viele Menschen haben keine Möglichkeit, einmal „auszufallen“ oder ihre täglichen Aufgaben zu vernachlässigen, um sich emotional und mental zu erholen.

Mindestens vier von zehn Berufstätigen klagen über Überbelastung und Stress. Die häufigsten Faktoren dafür sind unter anderem: Zeitdruck – beruflich und privat (Freizeit-Stress), Beziehungsprobleme (inkl. Probleme mit Kindern), schwieriges Arbeitsklima, Zukunftsängste (Finanzen, Sicherheit, etc.) oder unklare Kommunikation (vor allem im Berufsleben).

Die Folgen von Stress sind meistens vielschichtig und reichen von Schlafstörungen, Ängsten, fehlender Regeneration, Leistungsnachlass, Konzentrationsstörungen bis hin zu fehlender Lebensqualität, Sinnentleerung und Lebensüberdruss. Nicht selten münden diese Symptome in eine psychische Krankheit wie Burnout.

Durch relativ einfache Maßnahmen in Betrieben kann präventiv die Gefährdung des Einzelnen erhoben und maßgerecht gegengesteuert werden. Betroffene realisieren ihre Gefährdung oft nicht oder zu spät. Daher ist hier auch das Umfeld gefragt, die Betroffenen auf Ihre Situation aufmerksam zu machen. Damit könnten die subjektive Lebensqualität und der Leistungsoutput der Personen verbessert werden, Folgekrankheiten wie Depressionen, Angststörungen, Herz- und Magenerkrankungen etc. werden vermieden und den Betrieben bleiben wertvolle und motivierte Mitarbeiter/innen langfristig erhalten.

Präventive Maßnahmen rechnen sich für alle: Die Betroffenen haben einen geringeren Leidensdruck, Staat und Wirtschaft müssen weniger Kosten decken. Denn: Ein Euro, der für Prävention verwendet wird, entspricht sechs Euro in der Nachsorge.

Interessierte Betriebe können sich jederzeit an den Testgruppen beteiligen. Weitere Informationen dazu via E-Mail bei kneifel@iwsooe.at

Einen Zwischenbericht der JKU-Studie von Univ.-Prof. Dr. Friedrich Schneider sowie
nähere Informationen zum Mitmachen gibt's unten / siehe Downloads: